BIM vs. CAD…?

Auch 2014 hat es wieder eine Reihe von Konferenzen, Forentreffen und anderen Veranstaltungen zum Thema BIM Technologie gegeben. Im Vergleich zum Vorjahr ist zu beobachten, dass die Anzahl der Interessierten und Anwender, die die BIM Technologie bereits in ihrem Arbeitsprozess nutzen, stetig zunimmt. Trotz dessen kommt es auch immer wieder zu Diskussionen infolge unterschiedlicher Definitionen und der Art der Präsentation.

Als Teilnehmer der diesjährigen RTC Europe in Dublin durfte ich in diesem Zusammenhang ein längeres Gespräch mit einem Kollegen führen, der nach einer Präsentation mit der Aussage „BIM vs. CAD“ mit der folgenden Fragestellung an mich heran trat:

Warum arbeiten wir noch mit CAD Lösungen, wenn BIM doch alle aktuellen Probleme lösen kann?

Es ist wichtig bei der Diskussion über neue Technologien, wie die BIM Technologie und dessen Implementation, eine klare Definition zu finden, um Missverständnisse wie das obige Beispiel zu vermeiden. Der Begriff CAD bezeichnet grundsätzlich die Verwendung eines Rechners beim technischen planen und zeichnen. Traditionell wird in diesem Zusammenhang meist noch in mehreren Dateien und vollständig in 2D geplant. Infolge der unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten führt dies in der Regel zu einem erhöhtes Planungsrisiko.

Viele CAD Software Applikationen ermöglichen jedoch bereits die Umsetzung einer 3D Planung. Dies ermöglicht eine Verminderung von Fehlinterpretationen und führt somit zu einem geringeren Planungsrisiko.

Entwicklungen im traditionellen Planungsprozess führen jedoch auch zu neuen Herausforderungen, wie z.B. eine baubegleitende Planung und häufige Änderungen aufgrund eines gestörten Bauablaufes. Darüber hinaus wünschen Bauherren eine zunehmende hohe Flexibilität und Auswahl von Planungsvarianten. Dem gegenüber steht eine traditionelle Planungsart mit einer geringen Prozessorientierung bzw. Orientierung nach Funktionen und vielen unterschiedlichen Schnittstellen zwischen den jeweiligen Planungsbeteiligten.

Die Implementierung der BIM Technologie führt zu einer nachhaltigen Veränderung dieser traditionellen Planungsmethodik. Eine generelle Verbesserung des Planungsprozesses kann zunächst durch die Nutzung einer BIM Datenbank erreicht werden. Diese ermöglicht z.B. eine verbesserte Zusammenarbeit und Koordination im Team sowie eine verbesserten Planungsqualität und Produktivität. Darüber hinaus kann eine solche BIM Datenbank in Form eines intelligenten 3D Modells auch die Erfassung von komplexen Zusammenhängen verbessern und Änderungen in der Planung für alle planungsbeteiligten im Team direkt verfügbar gemacht werden.

Die Implementierung der BIM Technologie sollte deshalb nicht als Einführung einer neuen Software verstanden werden, sondern vielmehr als eine neue Arbeitsmethodik zur optimierten Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden. Im Zentrum dieser Arbeitsmethodik steht, wie bereits oben erwähnt, die Erstellung und Verwendung von intelligenten 3D Modellen zur Kommunikation, Information und Auswertung.

Die Umsetzung einer Planungsaufgabe und die Zusammenarbeit in einem solchen intelligenten 3D Modell erfordert zunächst den Einsatz einer BIM-fähigen CAD Softwarelösung zur Erstellung von sogenannten Bearbeitungsmodellen. Als BIM-fähige CAD Software für Architekten und Ingenieure kann z.B. Autodesk Revit eingesetzt werden. Diese CAD Software ermöglicht es ein Gebäude und dessen Struktur sowie Komponenten 3D zu modellieren, 2D Details auszuarbeiten und nicht-grafische Informationen im Modell zu verarbeiten und auszuwerten.

Im Ergebnis ist somit festzuhalten, dass es grundsätzlich keinen Konflikt zwischen BIM Technologie und CAD Software als solches gibt, sondern vielmehr zwischen der traditionellen CAD Planung (2D und 3D Grafik) und der BIM-basierenden Planung (intelligente 3D Modelle). In diesem Zusammenhang möchte ich in meinem nächsten Blogeintrag auf die Thematik der sogenannten Aufwandsverschiebung eingehen, die sich durch den Einsatz der BIM Technologie innerhalb der Leistungsphasen nach HOAI ergeben kann.

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